Wenn wir eine neue Lernressource entwickeln, stellen wir uns in der Regel eine ganz einfache Frage: Funktioniert sie bei den Menschen, für die sie gedacht ist?
Genau aus diesem Grund organisierte die influVET-Partnerschaft Pilot-Workshops mit Berufsschülern in Kroatien, Deutschland und Serbien, an denen 60 Schüler teilnahmen. Ziel war es, das Toolkit unter realen Unterrichtsbedingungen zu testen und einen Raum zu schaffen, in dem die Schüler offen erkunden konnten, was es eigentlich bedeutet, sich eine Karriere in der digitalen Welt aufzubauen – einschließlich Karrieren als Influencer, Online-Professionalität und der Fähigkeiten, die erforderlich sind, um sich darin verantwortungsbewusst zurechtzufinden.
Ein praxisorientierter, informeller Ansatz, der bei den Schülern Anklang fand
In allen drei Ländern folgten die Pilot-Workshops einer Methodik der nichtformalen Bildung. Anstelle langer Vorträge arbeiteten die Schüler*innen mit interaktiven Übungen, Diskussionen, Aufgaben in Kleingruppen und Reflexionsaktivitäten. Dieses Format erleichterte es, offen über Themen zu sprechen, die im formalen Unterricht oft zu kurz kommen – wie Online-Reputation, unrealistische „Erfolgsgeschichten“, der Druck, online präsent zu sein, und der Unterschied zwischen einem Hobby-Account und einer professionellen digitalen Präsenz.
Die teilnehmenden Schüler stammten aus den unterschiedlichsten Bereichen der beruflichen Bildung – darunter Gesundheits- und Pflegeberufe, Wirtschaft und Verwaltung, Logistik und Einzelhandel, Wirtschaftswissenschaften sowie technisch-berufliche Ausbildungsgänge. Diese Vielfalt war von großem Nutzen, da sie verdeutlichte, wie relevant digitale Berufsthemen mittlerweile für alle Berufsfelder geworden sind, nicht nur für die Kreativbranche.
Kroatien: Von „Ich poste nur zum Spaß“ zu „Mein Profil ist Teil meiner Zukunft“
In Kroatien zeigten von DOMAS organisierte Workshops, wie schnell die Schüler einen Bezug zum Thema herstellen, sobald sie erkennen, dass es mit ihrem eigenen Leben zusammenhängt. In den Veranstaltungen zum Thema „Personal Branding“ lernten sie, ihre Online-Präsenz zu analysieren und zu erkennen, welche Botschaften ihre Biografien, Fotos und Posting-Gewohnheiten an andere vermitteln. Viele Schüler waren zwar bereits auf Instagram und TikTok aktiv, hatten ihre Profile jedoch noch nicht als etwas betrachtet, das ihre Zukunftschancen beeinflussen könnte.
Die Arbeit an digitalen Kompetenzen und professioneller Kommunikation hat zudem eine wichtige Lücke aufgezeigt: Die Schüler nutzen kreative Apps regelmäßig und sicher, fühlen sich jedoch weniger gut vorbereitet, wenn es um professionelle Tools und strukturierte Zusammenarbeit geht. Rollenspiele (wie das Verfassen von Nachrichten an Marken) sorgten für Heiterkeit unter den Schülern und halfen ihnen zu erkennen, warum Professionalität wichtig ist.
Eine der lebhaftesten Diskussionen fand während der Sitzung zum Thema Influencer-Kultur und Berufswahl statt, in der die Schüler*innen offen über Hass im Internet sprachen; wir diskutierten aber auch darüber, was „hinter den Kulissen“ passiert, was in den Social-Media-Beiträgen nicht zu sehen ist. Das Pilotprojekt endete mit persönlichen Karriere-Aktionsplänen, mit denen die Reflexionen in konkrete nächste Schritte umgesetzt wurden.
Deutschland: Digitale Berufsberatung ist über „Stellensuchportale“ hinaus erforderlich
In Hannover führte Outreach Hannover e.V. mehrere Veranstaltungen mit Schülern von Berufsschulen der Fachrichtungen Wirtschaft/Verwaltung sowie Logistik/Einzelhandel durch. In den Workshops wurden Strategien für die Stellensuche im digitalen Zeitalter, Möglichkeiten der Telearbeit, die Online-Recherche nach Karrieremöglichkeiten, die Planung von Aktivitäten in sozialen Medien sowie Datenschutz- und Sicherheitsrisiken behandelt.
Es zeigte sich ein deutliches Muster: Die Studierenden waren zwar mit gängigen Plattformen vertraut, doch viele hatten sich noch nie strukturiert Gedanken über einen professionellen Online-Auftritt gemacht. Praktische Aufgaben wie die Erstellung einer „digitalen Visitenkarte“ oder die Ausarbeitung eines auf die Karriereziele abgestimmten Veröffentlichungsplans stellten eine Herausforderung dar, wirkten aber auch motivierend. Die Studierenden schätzten es, dass in den Workshops nicht nur theoretisch über Karrieren gesprochen wurde, sondern dass sie aufgefordert wurden, aktiv etwas zu gestalten, das sie auch nutzen konnten.
Auch die Veranstaltung zum Thema Datenschutz und Sicherheit stach besonders hervor. Mehrere Studierende gaben zu, dass sie persönliche Informationen im Internet zu offen preisgeben, und der Workshop half ihnen zu verstehen, warum digitale Sicherheit nicht nur eine persönliche, sondern auch eine berufliche Angelegenheit ist.
Serbien: große Motivation – und großer Bedarf an glaubwürdiger Orientierung
In Novi Sad arbeitete CNELL mit zwei Berufsschulen zusammen, die sowohl betriebswirtschaftliche als auch technische Ausbildungsgänge anbieten. Die Schüler zeigten sich begeistert und sehr engagiert, insbesondere bei der Diskussion über Personal Branding und die Realität des Aufbaus einer beruflichen Identität im Internet.
Besonders relevant waren die Workshops zu glaubwürdigen Quellen und authentischer Berufsberatung. Die Schüler erkannten, wie häufig man im Internet auf Geschichten über „schnellen Erfolg“ stößt und wie schwierig es sein kann, echte Ratschläge von Inhalten zu unterscheiden, die lediglich Träume verkaufen. Viele Schüler berichteten, dass neue Berufe wie die Karriere als Influencer in der Schule selten thematisiert werden und dass sie sich bei der Orientierung oft auf Gleichaltrige oder Online-Influencer verlassen.
Die Veranstaltungen zum Aufbau einer professionellen Online-Präsenz (einschließlich LinkedIn) eröffneten den Studierenden neue Perspektiven, und der abschließende Workshop zur Erstellung eines Karriereaktionsplans half ihnen dabei, realistische Schritte zu definieren, wie beispielsweise die Optimierung ihrer Profile, das Verfolgen glaubwürdiger Informationsquellen und die Suche nach Möglichkeiten, die ihren Fähigkeiten und Interessen entsprechen.
Anstelle eines Fazits…
In allen drei Ländern zeigten die Pilot-Workshops dasselbe:
Die Auszubildenden sind an digitalen Karrierewegen interessiert, benötigen jedoch eine strukturierte Beratung, um diese realistisch und verantwortungsbewusst anzugehen.
Lehrkräfte und Moderatoren hoben zudem den Wert des Toolkits als strukturierte Ressource hervor, die sie in der Praxis nutzen können. Gleichzeitig wurde im Rahmen der Pilotphase deutlich, dass die Schüler sehr unterschiedliche digitale Kompetenzen mitbringen und dass die Aktivitäten ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Diskussion, praktischer Umsetzung und Reflexion aufweisen müssen.
Vielleicht fragen Sie sich: Wie geht es nun weiter mit unserem Konsortium? Derzeit entwickeln wir einen Lehrplan für Lehrkräfte, der aus drei Modulen besteht, und wir werden lokale Fortbildungskurse anbieten. Darüber hinaus haben wir in jedem Land mit der Verbreitung der Ergebnisse begonnen und planen die Organisation von Konferenzen auf nationaler Ebene, um diese noch weiter zu verbreiten.
Also, bleibt dran und folgt uns, um mehr zu erfahren!

